Aufarbeitung sexualisierter Gewalt - Kirche will allen Fällen der Vergangenheit nachgehen

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt - Kirche will allen Fällen der Vergangenheit nachgehen

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt - Kirche will allen Fällen der Vergangenheit nachgehen

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Aufarbeitung sexualisierter Gewalt - Kirche will allen Fällen der Vergangenheit nachgehen

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Kirche will allen Fällen der Vergangenheit nachgehen

Im Herbst 2025 hat ein Team aus sechs Fachleuten alle Personalakten der Evangelischen Kirche in Solingen seit 1946 gesichtet. Trotzdem ist die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Solingen noch lange nicht abgeschlossen.

„Wir wissen jetzt, was in unseren Akten zu finden ist. Aber wir wissen auch, dass wir mit Fällen von Gewalt rechnen müssen, von denen sich nichts in den Akten finden lässt“, betont Superintendentin Dr. Ilka Werner zum Abschluss des Projekts „Aktensichtung“ der Evangelischen Kirche in Solingen: „Wir bitten darum Menschen, die sexualisierte Gewalt oder Übergriffe erleiden mussten, sich bei unseren Vertrauenspersonen zu melden. Das gilt auch für mögliche Zeuginnen oder Zeugen, die über solche Fälle etwas wissen.“ Man brauche die Mithilfe von Betroffenen, Angehörigen oder Zeitzeugen, damit früheres Fehlverhalten nicht unentdeckt bleibt, so Werner: „Wir versprechen, dass wir solche Meldungen heute immer sehr ernst nehmen. Auch dann, wenn das Fehlverhalten vielleicht bereits Jahrzehnte zurückliegt und kirchliche Stellen es damals gar nicht so genau wissen wollten.“ Die genaue Untersuchung solcher Fälle könne auch heute noch helfen, Maßnahmen zu ergreifen, um künftiges Leid zu verhindern, so Werner. 

Insgesamt 6097 Akten wurden zwischen August und November 2025 durch ein Team aus sechs Fachleuten gesichtet: darunter vier pensionierte Kriminalbeamte. Das waren alle Personalakten von der Pfarrerin bis zum Praktikanten ab dem Jahr 1946 bis zur Gegenwart. Gesucht wurde etwa nach einschlägigen Beschwerdebriefen, nach plötzlichen Kündigungen ohne klar benannten Grund oder nach Fällen, in denen kirchliche Gremien sich bereits mit Hinweisen auf sexualisierte Gewalt befasst haben. Wo nötig, wurden weitere Unterlagen wie Presbyteriumsprotokolle herangezogen. Acht Personalakten wurden gefunden, in denen es Hinweise auf sexualisierte Gewalt, auf übergriffiges oder grenzverletzendes Fehlverhalten gibt. Darunter sind auch Fälle, die durch staatliche Behörden bereits früher untersucht wurden. Diese Akten werden nun im Auftrag der Evangelische Kirche im Rheinland durch unabhängige Staatsanwältinnen und Staatsanwälte geprüft. Sie sollen die Fälle hinsichtlich ihrer strafrechtlichen Relevanz beurteilen. Außerdem sollen sie das Handeln oder Nichthandeln der jeweils zuständigen Leitungsgremien bewerten und feststellen, ob Gemeinden oder der Kirchenkreis im Umgang mit gemeldetem und ihnen somit bekanntem Fehlverhalten institutionell versagt haben. 

Die Sichtung im Evangelischen Kirchenkreis Solingen ist Teil der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, zu der sich die Evangelische Kirche insgesamt verpflichtet hat. Eine bundesweite Untersuchung hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass in der Vergangenheit solchen Beschwerden oft nicht angemessen nachgegangen wurde. Erst seit einigen Jahren gibt es klar geregelte Verfahren, die sicherstellen sollen, dass bei entsprechenden Meldungen und Beschwerden angemessen gehandelt wird. Durch Schulungen für alle Mitarbeitenden und durch Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt versuchen Gemeinden, Kirchenkreis und Diakonisches Werk neue Fälle zu verhindern.

Thomas Förster/Pressereferat

INFO

Haben Sie sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche erfahren? Oder haben Sie von solchen Fällen oder Anzeichen dafür Kenntnis? Gesprächsmöglichkeit und Hilfe bieten die  Vertrauenspersonen beim Evangelischen Kirchenkreis Solingen:  Simone Tschense und Simone Henn-Pausch (per Telefon unter 0212 287 301 oder per Mail an vertrauenspersonen@evangelisch-solingen.de). Hilfen bietet auch die  Ansprechstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung der Evangelischen Kirche im Rheinland: Tel. 0211 4562 391. Alternative Ansprechstellen außerhalb der Kirche sind die Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche (FABS): Tel. 0212 586118 und das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: Tel. 0800 2255530.

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