10/04/2026 0 Kommentare
VATERLAND? EIN SCHIFF KOMMT NACH HAUSE MUSIKALISCHE LESUNG MIT TEXTEN VON HEINZ LIEPMAN 04. Mai Stadtkirche Ohligs
VATERLAND? EIN SCHIFF KOMMT NACH HAUSE MUSIKALISCHE LESUNG MIT TEXTEN VON HEINZ LIEPMAN 04. Mai Stadtkirche Ohligs
# Unsere Gemeinde

VATERLAND? EIN SCHIFF KOMMT NACH HAUSE MUSIKALISCHE LESUNG MIT TEXTEN VON HEINZ LIEPMAN 04. Mai Stadtkirche Ohligs
VATERLAND?
EIN SCHIFF KOMMT NACH HAUSE
MUSIKALISCHE LESUNG MIT TEXTEN VON HEINZ LIEPMAN
VON UND MIT STEPHAN MÖLLER-TITEL UND JOCHEN KLÜßENDORF
Montag, 4. Mai 2026
um 19.30 Uhr
Ev. Kirche Ohligs, Wittenbergstraße 4
Die Veranstaltung in Kooperation mit dem Stadtarchiv Solingen/Max-Leven-Zentrum
und der Evangelischen Gemeinde Ohligs wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“/Partnerschaft für Demokratie gefördert.
Der Eintritt ist frei.
STEPHAN MÖLLER-TITEL 1977 geboren, ist als Hamburger Jung groß geworden. An der Hochschule für Musik und Theater Leipzig studierte er Schauspiel und war einige Jahre im Festengagement am DNT Weimar und Staatstheater Schwerin. Seit 2005 arbeitet er als freischaffender Schauspieler und Musiker für Theater, Film und Fernsehen. Aktuell ist er u. a. an den Hamburger Kammerspielen und am Ohnsorg Theater in verschiedenen Produktionen zu sehen.
JOCHEN KLÜßENDORF 1972 geboren, wuchs auf Amrum auf. Er studierte Schauspiel an der Folkwang Hochschule Essen und arbeitete als Schauspieler an diversen Stadttheatern und in freien Produktionen. Aktuell spielt er u. a. am Ohnsorg Theater Hamburg KLEINER MANN WAS NUN? Diese Produktion wurde in d i e s e r S p i e l z e i t m i t d e m „ R o l f - M a r e s - T h e a t e r p r e i s “ ausgezeichnet.
Eine musikalische Lesung mit Texten von Heinz Liepman
Die Schauspieler und Musiker Stephan Möller-Titel und Jochen Klüßendorf erzählen mit viel Hamburger Lokalkolorit und trotz allem auch mit Humor die Geschichte des heute fast vergessenen Autors Heinz Liepman: Sohn eines jüdischen Kaufmannsgehilfen aus Osnabrück, der später als Dramaturg an den Hamburger Kammerspielen arbeitete. Seine Karriere als Schriftsteller endete 1933 jäh mit dem Verbot seiner Bücher. Mit eigens komponierten Liedern und schauspielerischer Sicherheit erwecken die Akteure tragikomische Figuren und Situationen mit einfachen Mitteln zum Leben. Während der musikalischen Lesung wird eine Videodokumentation einer Sofortmalerei-Performance (sofortmalerei.de) der Bildkünstler Matthias Kulcke und Jan Helbig zum Text an die Leinwand projiziert. Dadurch ergeben sich im zufälligen Zusammenspiel von Video und Live-Darbietung ambivalente und assosiative Deutungsräume. Das Publikum verfolgt eine malerische Niederschrift während der Lesung, eine Bebilderung von Meinungsfreiheit, gedeutet vielleicht als Toleranzforderung an Gesellschaft und Staat.
Im Mittelpunkt der Darbietung steht Liepmanns Roman DAS VATERLAND. In seinem Buch erzählt Liepman die berührende Geschichte der Mannschaft des Fischkutters „Kulm“, die im Frühjahr 1933 nach drei Monaten auf See, ohne Funkkontakt oder einen Hafen angelaufen zu haben, in ein auf schreckliche Weise verändertes Hamburg zurückkehrt. Liepman beschreibt eine Gesellschaft, die sich während der Abwesenheit der Kuttermannschaft grundlegend verändert hat. Diese Erfahrung einer plötzlich veränderten Realität berührt auch heute eine Gegenwart, in der sich politische, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen in kurzer Zeit so verdichten, dass vertraute Gewissheiten ins Wanken geraten.
„Ach was, Greuelmärchen!“, lässt Liepman seine Figur Arthur Jacobsohn im Jahre 1933 sagen: „Was man hört, das sind Greuelmärchen, ganz einfach! Wir leben doch im 20. Jahrhundert! In Deutschland!“
Möller-Titel und Klüßendorf wollen mit ihrer Lesung versuchen, im besten Sinne derErinnerungskultur das Geschichtsbewusstsein zu fördern, die Demokratie zu stärken und eine inklusive Gesellschaft mitzugestalten. „Wir kennen alle Orte, an denen die Geschichte spielt und haben eine persönliche Vorliebe für die Sehnsucht der Seeleute nach dem Meer und der Heimat“, erklärt Möller-Titel. „Aber wir haben keine persönlichen Erfahrungen mit Verfolgung, Diskriminierung und Berufsverbot. Allenfalls eine vage Vorstellung, wie wir uns selbst angesichts von Grausamkeit und Unmenschlichkeit verhalten würden.“ Den Roman von Liepmann hatten die beiden Künstler 2023 anlässlich des Festivals „Hamburg liest verbrannte Bücher“ neu entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt war das Buch lediglich noch antiquarisch erhältlich – die nationalsozialistische Bücherverbrennung hatte in diesem Fall beinahe ihren Zweck erfüllt. Durch die musikalische Lesung von Möller-Titel und Klüßendorf wurde der Verleger Günther Butkus auf das Werk aufmerksam. DAS VATERLAND wurde neuaufgelegt und wieder für ein breites Publikum zugänglich.

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